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Es bewegt sich was in Sachsen! Aber zu wenig!


Aus gegebenem Anlass möchten wir zu den Verhandlungsergebnissen bezüglich der zur Abstimmung stehenden Tarifeinigung zur Altersteilzeit und den dazugehörigen Maßnahmen zur Verbesserungen bei der Eingruppierung von Lehrkräften und zur Erhöhung der Attraktivität des Lehrer*innenberufes/ Nachwuchsgewinnung Stellung nehmen.

 

Seit Jahren kämpft die GEW für bessere Bedingungen für Lehrer*innen in Sachsen und seit Jahren treffen Streiks, Forderungen und Verhandlungsangebote auf ein Bollwerk, welches die Zukunft sächsischer Lehrer*innen ignoriert. Seit diesem Jahr bröselt dieses Bollwerk. Nach unzähligen Streiks, langen Sondierungen und kräftezehrenden Verhandlungen konnten sich die GEW, der dbb beamtenbund und tarifunion mit der Staatsregierung auf einen neuen Tarifvertrag zur Altersteilzeit und weitere Maßnahmen einigen. 

Zuvor beteiligten sich auch Mitglieder der Jungen GEW an den Sondierungsgesprächen und brachten hier ihre Forderungen ein.

 

Unser Hauptaugenmerk lag dabei auf der Ausbildung von Lehrer*innen. So forderten wir bereits bei den Sondierungen eine gleiche Studiendauer sowie gleiche Entlohnung für alle Schularten. Darüber hinaus lag uns vor allem die Vereinbarkeit von Ausbildung und Familie oder anderen Einschränkungen am Herzen und wir haben uns für einen Vorbereitungsdienst in Teilzeit stark gemacht. Diese Forderungen wurden durch die Staatsregierung zwar wahrgenommen und auch als sinnvoll bewertet, zu großen Teilen jedoch aus Finanzgründen zurück gewiesen.

Während dann im September 2013 die Zusage zu Tarifverhandlungen zur Altersteilzeit kam, wurden den Lehrer*innen im 24-monatigen Vorbereitungsdienst die zu haltenden Unterrichtsstunden erhöht. Wir wendeten uns gegen diese Maßnahme mit einem Offenen Brief an die Staatsministerin für Kultus und den Staatsminister der Finanzen. Darauf hin lud der Finanzminister die Junge GEW ein, darüber mit ihm zu sprechen. Trotz wiederholter Forderung, die Maßnahme zurück zu nehmen, blieb der Finanzminister bei seinem Argument der wirtschaftlichen Notwendigkeit der Erhöhung. 

 

Daraufhin brachten wir unsere Forderungen durch Mitarbeit in der Tarifkommission Schule erneut ein, so dass letztlich die Tarifverhandlungen zur Altersteilzeit genutzt werden konnten, um durch zusätzliche Pakete bei der Bezahlung und Attraktivität des Lehrer*innenberufs dennoch kleine Verbesserungen der Landesregierung abzuringen. Dazu gehört ein Modellversuch zum Vorbereitungsdienst in Teilzeit sowie eine Erhöhung des Anwärtergrundbetrages für die Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst um 40 Euro ab dem 1. Januar 2015. Dies scheint auf den ersten Blick wenig mehr als ein Inflationsausgleich zu sein. Gleichwohl setzt sich damit eine stetige Erhöhung fort, die auf gewerkschaftliche Tarifforderungen zurückgehen. So wurde z. B. durch die Übertragung des Tarifergebnisses der Ländertarifrunde 2013 im öffentlichen Dienst auf die Beamtenbesoldung auch der Anwärtergrundbetrag zum 01. März 2013 um 50 Euro erhöht, ab dem 1. April 2014 steigt er dann um weitere 2,95 %.

 

Insgesamt halten wir jedoch die Formulierung „Gesamtpaket zur Gestaltung eines Generationenwechsels“ für ungünstig gewählt. Einige junge Kollegen empfinden dies sogar als Anmaßung. Die zentralen und wichtigen Punkte des Paketes sind die Verbesserungen bei der Eingruppierung der Lehrkräfte. Wirkliche Verbesserungen für junge Lehrer*innen und damit für einen tatsächlichen Generationenwechsel sind nicht enthalten. Es handelt sich vielmehr um kosmetische Maßnahmen, die weder einen konsequenten Austritt älterer Lehrer*innen in die Altersteilzeit noch einen reizvollen und breiten Eintritt jüngerer Lehrer*innen ermöglichen. Wir fordern daher von der Sächsischen Landesregierung weiterhin die Gleichstellung aller Schularten bei der Studiendauer und Bezahlung, sowie eine sinnvolle Umgestaltung des Vorbereitungsdienstes in eine Berufseinstiegsphase, in der Lehrer*innen vom ersten Tag an voll eingestellt werden. Hier gilt unser Positionspapier zum Vorbereitungsdienst. Außerdem fordern wir weiterhin einen Rechtsanspruch auf Teilzeit für junge Menschen mit Familien oder anderen Einschränkungen. Wenn das Land Sachsen in Zukunft junge Lehrer*innen behalten und anwerben möchte, dann muss es noch viel attraktiver werden. Dazu gehört, dass alle Schularten die gleiche Grundeingruppierung erhalten und alle von Beginn an gleich gestellt werden. Nur so kann sich Sachsen vor allem in den Bedarfsbereichen der Grund- und Mittelschulen seinen Lehrer*innennachwuchs sichern und einen wirklichen Generationenwechsel herbeiführen.

 

Trotz vieler offen gebliebener Forderungen ist das Gesamtpaket ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es wurden am Rande der Altersteilzeitregelung viele kleine Verbesserungen erkämpft. Vor allem die Gleichstellung durch Höhergruppierung der Mittelschullehrer*innen kann als Erfolg verstanden werden. Das nun zur Abstimmung vorgelegte Gesamtpaket beinhaltet nur zur Altersteilzeit tarifliche Regelungen, folglich auch nur zu diesem Gegenstand eine Friedenspflicht. Weitere Verbesserungen der Eingruppierung sowie Bezahlung der Lehrer*innen im Vorbereitungsdienst sind auch in nächster Zeit über Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) möglich. Hier wurde bereits Ende Oktober Gesprächsbereitschaft durch den Vorsitzenden signalisiert. An dieser Stelle und an allen anderen werden wir erneut unsere Forderungen einbringen. Nur durch stetiges, aktives und nachdrückliches Wiederholen unserer Forderungen können wir Stillstand vermeiden. Sollten auf der Ebene der TdL bis zum Schuljahresende keine Tarifverhandlungen zustande kommen, wird die GEW, folglich auch die Junge GEW, dazu in Sachsen wieder aktiv werden. Sie hat ihre Verhandlungsaufforderung zur Eingruppierung gegenüber dem Freistaat Sachsen nicht zurückgezogen.

 

Wir stehen daher auch hinter der Empfehlung der Tarifkommission, den vorliegenden Tarifvertrag zur Altersteilzeit inklusive der zusätzlichen Elemente des Gesamtpaketes anzunehmen. Dies kann jedoch nur ein Startschuss für weitere Veränderungen sein. Wir werden uns im Zuge der Landtagswahlen für die Umsetzung unserer Forderungen stark machen! Alle Mitglieder sind dazu herzlich eingeladen sich in unserer AG „Bildung gestalten statt verwalten“ einzubringen. Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass wir unsere Forderungen in der GEW einbringen können. Zur Zeit sind wir jedoch noch sehr wenige und so bewegt sich vorerst auch weniger. Wenn mehr junge Menschen aktiv werden, können wir auch stärker unsere Interessen einbringen. Also bringt euch ein und verschafft euch Gehör!

 

Euer Sprecher*innenteam

Vivien, Luise, David und Alberto

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